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Gastro war die beste Employer Branding Ausbildung.

  • Autorenbild: Daniel Ziegl
    Daniel Ziegl
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn ich heute in Workshops oder Vorträgen erzähle, dass ich meine ersten beruflichen Jahre hinter der Bar, im Bierzelt und in der Spitzengastronomie verbracht habe, schauen mich die meisten erst einmal verwundert an.


„Und was hat das mit Employer Branding zu tun?“ Ehrlich gesagt: mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.


Denn wenn mich heute jemand fragt, was die beste Ausbildung für Employer Branding war, dann denke ich nicht an ein Studium. Nicht an ein Seminar.

Sondern an die Tourismusschule Bad Ischl. An Clubs im Salzkammergut. An ein Bierzelt am Oktoberfest. Und an lange Abende in der Spitzengastronomie am Traunsee.

Mein Karriereweg wurde die Gastro nicht – aber meine beste Employer-Branding-Schule? Die war sie trotzdem.


Was ich in diesen Jahren gelernt habe:


Lektion 1: Alle wollen dasselbe – aber niemand will gleich behandelt werden

Am Oktoberfest wollen im Grunde alle das Gleiche: ein Bier, ein Hendl, eine gute Zeit. Trotzdem habe ich den Polterabend anders bedient als den Firmentisch. Und den Firmentisch anders als die traditionellen Schützenvereinsmitglieder, die seit dreißig Jahren denselben Platz haben.


Gleiches Versprechen, andere Ansprache. Wer das verwechselt, verliert an Umsatz.

Heute nenne ich das Zielgruppenarbeit. Eine EVP ist kein Slogan, der für alle gleich klingt – sie ist ein Versprechen, das für den Lehrling anders übersetzt wird als für die Bauleiterin mit fünfzehn Jahren Erfahrung.


Gelernt habe ich das nicht im Seminarraum. Sondern mit zehn Maßkrügen in der Hand.


Vier Kellner in Tracht
Oktoberfest 20214

Lektion 2: Das beste Trinkgeld gab's nie für 08/15

Wer am Oktoberfest nur abserviert, bekommt das Pflicht-Trinkgeld. Wer überrascht – ein Schmäh zur richtigen Zeit, ein Extra, mit dem niemand rechnet – bekommt das gute.

Genau so funktionieren Arbeitgebermarken. Die meisten Karriereseiten sind solide Bedienung: freundlich, korrekt, austauschbar. Auffallen tut, wer den Mut hat, anders zu sein. Nicht lauter. Anders.


Lektion 3: Schwindeln fliegt auf. Immer.

Die härteste Lektion kam in der Spitzengastronomie. Ein Gast mit einer schweren Allergie. Ich habe die Teller vertauscht und das allergenfreie Gericht nicht serviert. Als der Fehler auffiel, ist mir das Herz in die Hose gerutscht.


Das war einer dieser Momente, die man nicht vergisst.


Denn plötzlich wird aus einem kleinen Fehler etwas, das echte Konsequenzen haben kann.

Diesen Moment vergesse ich bis heute nicht. Denn er hat mir etwas beigebracht, das ich heute in jedem Projekt wiederfinde:


Qualitätsmängel fallen immer auf. Am Teller wie in der Arbeitgebermarke.

Wenn die Kampagne Wertschätzung verspricht und am ersten Arbeitstag niemand weiß, dass du überhaupt anfängst, merkst du das sofort.

Schwindeln ging am Pass nicht. Und im Employer Branding geht es auch nicht.

Die Frühfluktuation ist dann oft die Rechnung dafür.


Lektion 4: „Der Gast ist König“ war gestern

Die besten Abende in der Gastro waren die, an denen Gast und Kellner auf Augenhöhe kommuniziert haben. Wertschätzend. In einer gemeinsamen Sprache.

Genau das gilt für Bewerber*innen. Sie sind keine Bittsteller – und Unternehmen sind keine Gnadengeber.

Wer Kandidat*innen von oben herab behandelt, hat den Arbeitsmarkt von heute nicht verstanden.


Was mir bis heute geblieben ist

Drei Dinge nehme ich aus diesen Jahren in jeden Arbeitstag mit:

  1. Ich gehe auf fremde Menschen zu, ohne viel nachzudenken – auf der Karrieremesse genauso wie auf der Baustelle.

  2. Ich behalte in stressigen Situationen den Überblick, weil ein volles Bierzelt jede Budgetrunde relativiert.

  3. Und ich mache vor jedem Meeting mein Mise en Place: lieber eine Zahl zu viel vorbereitet als eine zu wenig.


Warum ich das erzähle

Weil Employer Branding nicht nur im Büro spielt. Es spielt dort, wo hart gearbeitet wird – hinter der Bar, auf der Verkaufsfläche, auf der Baustelle. Dort entstehen die besten Geschichten.

Und dort entscheidet sich, ob ein Arbeitgeberversprechen hält.

Wer Employer Branding nur vom Schreibtisch aus macht, macht es ohne die Menschen, um die es geht.


Ich hatte das Glück, es andersherum zu lernen. Zuerst die Menschen. Dann die Methode.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich bis heute lieber mit Mitarbeitenden spreche als Organigramme zu analysieren. Warum mich eine ehrliche Geschichte mehr interessiert als die schönste PowerPoint-Folie. Und warum Employer Branding für mich nie bei der Kampagne beginnt. Sondern immer beim Menschen.


Die besten Employer-Branding-Lektionen habe ich nicht im Seminarraum gelernt – sondern zwischen Maßkrügen, Mise en Place und Menschen.


Wenn du wissen willst, wie das in deinem Unternehmen aussehen kann – lass uns gerne sprechen! 😊


Euer Daniel

 
 
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